
Das Land der Feinschmecker und Spitzenköche lässt zu Tisch Strenge walten. So muss für fast jedes Gericht, ob Obst oder Hühnchenkeule, Besteck verwendet werden. Der Salat dagegen muss mundgerecht gefaltet werden. Die Suppe darf nicht mit Pusten abgekühlt und Käseplatten dürfen nicht geleert werden. Schmatzen sowie jegliche andere Geräusche müssen beim Essen unbedingt vermieden werden. Aber Achtung: das beliebte Baguette wiederum darf keinesfalls mit dem Messer abgeschnitten, sondern muss in kleine Stücke gebrochen werden. Wer kann bei all dieser französischen Finesse noch den Überblick behalten?

Beim Pasta-Verzehr in Italien kann man Einiges falsch machen. Während man vor allem in der Schweiz glaubt, Italiener würden ihre Nudelgerichte mit Löffel und Gabel essen, sieht die Wahrheit ganz anders aus. Wer nicht auffallen möchte, sollte Messer und Löffel rasch beiseitelegen und die Gabel als alleiniges Werkzeug hernehmen. Doch damit nicht genug: Spaghetti dürfen in Italien weder abgebissen noch abgeschnitten werden. Das heißt: Sie werden mit der Gabel in voller Länge in den Mund transportiert. Das kann bei Ungeübten schnell zu einem kulinarischen Massaker ausarten! Also lieber Penne bestellen und dem Spaghetti-Stress aus dem Weg gehen. Zu Hause kann dann wieder mit allen nur erdenklichen Besteckformen gegessen werden.
Der beliebte Cappuccino wird in Italien nur zum Frühstück getrunken bis 11 Uhr und nicht wie hierzulande zu jeder Tageszeit oder nach dem Essen. In Italien trinkt man tagsüber und vor allem nach dem Essen Espresso.

Anders, als wir es vom Mallorca Urlaub gewohnt sind, wird in Spanien normalerweise mäßig und nicht massig viel Alkohol getrunken. Denn beschwipst zu sein gehört in Spanien nicht zum guten Ton. Wer aus diesem Grund dann lieber eine Cola statt eines Bieres bestellt, sollte wissen, dass „Coca“ im spanischen so viel wie „Schwanz“ heißt. Typisch spanisch sind Tapas Bars. In langen Tresen und Vitrinen werden kleine Häppchen präsentiert. So elegant dieser Anblick ist, so erschreckend mag der Blick unter den Tischen der Tapas Bars sein. Hier finden sich ausgespuckte Olivenkerne und zerknüllte Servietten. In der spanischen Tischkultur ist es nur höflich damit zu zeigen, wie lecker die Tapas sind.

Finnland gilt als das Heimatland des Saunierens. So wundert es nicht, dass die Sauna auch eine große Rolle im Business spielt. Das heißt: Nach wichtigen Geschäftsterminen gehen die Teilnehmer nicht wie in der Schweiz, in ein edles Restaurant zum Essen, sondern in die Sauna - nackt versteht sich. Mit dem Chef unverhüllt in der Sauna-dort wird entspannt geplaudert und getrunken, denn zwischen unbekleideten und schwitzenden Menschen verlieren Statussymbole, Kontroversen oder Machtkämpfe ihre Bedeutung und Wirkung. Doch keine Panik, liebe Ladies, Peinlichkeiten sind nicht zu befürchten. Denn auf Geschlechtertrennung wird geachtet. Egal ob in öffentlichen Saunen oder im geschäftlichen Rahmen: Männer und Frauen schwitzen immer in getrennten Räumen.

Griechen gelten als außergewöhnlich gastfreundlich - dies hat aber auch einen eigennützigen Hintergrund, denn Einladungen gelten als Machtinstrument. Der Eingeladene begibt sich in den Augen der Griechen nämlich in eine Abhängigkeitsposition gegenüber dem Gastgeber. Es gilt daher nicht als unhöflich, Einladungen auszuschlagen. Im Gegenteil - das wird zum Teil als besonders charakterstark gewertet. Bei Tisch wird über Gott und die Welt diskutiert. Dabei kann es auch schon einmal heftig und sehr emotional zugehen. Es wird gerne offen kritisiert, auch die eigene Regierung wird dabei nicht ausgelassen.

Es ranken sich viele lustige Geschichten rund um Gebräuche bei Tisch, so auch in den USA. Dort wird für gewöhnlich nur mit einer Hand gegessen, während die zweite seelenruhig im Schoß liegt. Dies soll einer Legende nach ein Vermächtnis aus dem Wilden Westen sein. Weil man dort zu jeder Zeit auf der Hut vor Feinden sein musste, behielt man stets - und so auch beim Essen - eine Hand an der Waffe. Und so kam es, dass viele Amerikaner heutzutage zunächst ihr Essen zerschneiden, um es anschließend einhändig mit der Gabel zu sich zu nehmen.

Wenn wir schon bei den Essensbräuchen sind, dann dürfen wir eine Besonderheit der mexikanischen Küche nicht vergessen: Tacos. Das beliebte Fast-Food-Gericht, mit allerlei Zutaten gefüllte Mais- oder Weizentortillas, wird üblicherweise mit den Händen gegessen. Ohne Besteck. Was einfach klingt, ist in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit - für Ungeübte. Denn aus den kleinen und üppig beladenen Tortillas, fällt bei jedem Biss gefühlt die Hälfte heraus. Aufs Shirt, auf die Hose, auf den Boden oder im besten Fall noch auf den Teller. Ach ja, nicht zu vergessen die scharfe Salsa, die auch noch hinterhertropft. Deshalb: Servietten bereithalten!

Kaum zu glauben, aber in Japan gilt es als Kompliment an den Chefkoch wenn gerülpst und geschlürft wird. Das zeugt davon, dass das Essen mundet und der Tischgast sich wohl fühlt. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Wer in Japan mit Stäbchen isst, sollte keineswegs zu wild mit selbigen hantieren. Die Esswerkzeuge dürfen vor allen Dingen nicht gekreuzt werden oder in den Reis gesteckt werden. Diese Handhabe ist nur bei einem Leichenschmaus zu Ehren der Toten erlaubt. Außerdem sollten die Stäbchen weder aneinander gerieben noch abgeleckt werden. Wie bei uns der nackte Zeigefinger, so gilt es in Japan als Beleidigung, mit einem Stäbchen auf eine andere Person zu zeigen.

Dieselben strengen Stäbchen-Regeln gelten auch in China und anderen asiatischen Ländern. Nur kommt beim chinesischen Speisen ein weiteres Detail hinzu: Das Rauchen. In China ist der Konsum von Tabak integrativer Teil des Essens. Während Europäern meist bei Zigarrettenrauch der Appetit vergeht, gilt er im fernen China als Appetitanreger.

Wer in Korea speist, sollte niemals anfangen zu essen, ohne zu rechnen. Kein Scherz! Denn dort muss der Älteste den ersten Bissen machen. Außerdem muss es beim Mahl still sein, denn wer spricht kann sich naturgemäß nicht auf den Genuss des Essens konzentrieren.

Dass immer noch in vielen Ländern, darunter auch Indien, mit der Hand gegessen wird, dürfte bekannt sein. Doch vergessen Europäer bei einem Besuch Indiens oft etwas Entscheidendes: Die linke, die "unreine" Hand darf gar nicht eingesetzt werden.
Warum? In Indien benutzt man zum Beispiel nur die linke Hand zum Reinigen nach dem Toilettengang. Somit versteht sich diese Tischregel von selbst. Zusätzlich sollte man sich so häufig wie möglich vor den verschiedenen Gängen die Hände waschen, um nicht als unrein zu gelten.

Jedenfalls, wenn man in einer traditionellen Dorfhütte am Familienessen teilnimmt. Für die nötige Lockerheit sorgt beispielsweise Bananenbier. Afrikaner brauchen keine Gabeln. Das behauptet ein afrikanisches Sprichwort, und in der Tat kommen traditionelle afrikanische Haushalte wunderbar ohne viel Geschirr und Besteck aus. Drei Finger dienen als Gabel-Ersatz, mit dem Daumen kann diskret Essen aufgeschaufelt werden. Ein Platzgedeck passt so gar nicht zum Gemeinschaftserlebnis Mahlzeit, auch wenn die meisten Städter "weiße" Tischsitten angenommen haben. Bei einer Familienmahlzeit auf dem Dorf der Großeltern heißt es dagegen: Eine gemeinsame große Schüssel, aus der sich alle in der Runde bedienen, reicht völlig aus.

Weshalb in den meisten Restaurants weder Wein noch Bier noch Spirituosen ausgeschenkt werden. Nicht-Muslime (ab 21 Jahren) dürfen hingegen Alkohol konsumieren – allerdings nicht in der Öffentlichkeit. Davon ausgenommen sind Clubs und Bars, die über eine Alkohol-Lizenz verfügen. Auch in allen auf ein westliches Publikum ausgerichteten Resorts sowie angeschlossenen Einrichtungen wird Alkohol ausgeschenkt. Wichtig: Falls Sie das benachbarte Emirat Sharjah besuchen, beachten Sie bitte, dass hier ein absolutes Alkoholverbot gilt. Es ist unter Gefängnisstrafe verboten alkoholisiert Auto zu fahren. Die Promille Grenze liegt bei 0.

Bei privaten Einladungen sitzen die Gäste oft auf dem Boden. Auch die Speisen werden auf dem Boden in großen Schüsseln serviert. Zum Essen benutzt man die rechte Hand oder ein Stück Fladenbrot. Vor jedem Essen - und überhaupt bei jeder sich bietenden Gelegenheit - wird Tee serviert. Zum Genuss dieses Tees nimmt man ein Stück Zucker zwischen die Zähne und schlürft dadurch seinen Tee.
Sitzen Muslime mit am Tisch oder werden Sie von Emiratis in die eigene Wohnung eingeladen, macht es einen guten Eindruck, wenn Sie Ihre Kenntnis der wichtigsten Höflichkeitsregeln und Essmanieren zeigen. Dazu gehört, dass nur mit der rechten Hand gegessen wird und, sofern traditionell auf dem Boden gespeist wird, die Füße nicht auf andere zeigen sollten – der Schneidersitz ist hier die optimale Sitzhaltung. Die Straßenschuhe zieht der Besuch beim Betreten der Wohnung aus. In traditionsbewussten
Haushalten ist es für den fremden Herrn zudem nicht üblich, der Dame des Hauses die Hand zu schütteln – ergreift hingegen Ihre Gastgeberin die Initiative, können und sollen Sie die Begrüßung erwidern.